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27.4.19

Sportlehrerin veranstaltet "Kopftuchlauf" trotz Sturmtief

    Erster HijabRun war ein voller Erfolg

@hijab_run_runners
Am Sonntag um 11Uhr haben sich 30 Kopftuchträgerinnen an der Haltestelle "Am Mineralbäder" in Stuttgart getroffen, haben Dehnungs-, und Aufwärmübungen gemacht und sind anschließend 3km im Schlosspark gelaufen. Die Trainingseinheit war für Anfänger ausgerichtet, allerdings waren auch einpaar Dauerläuferinnen mit am Start. Auf die Idee einen solchen "HijabRun" zu organisieren, bei dem vorrangig Kopftuchtragende Mitmenschen dazu aufgerufen werden mit zu laufen, kam Yasemin Bay (39), Sport- und Gymnastiklehrerin und dreifache Mutter. "Dem Boykott-Aufruf gegen den französischen Sportartikelhersteller Decathlon konnte ich nicht tatenlos zusehen" beschreibt Bay ihre Motivation.

Decathlon wollte jüngst ein Sporthijab vermarkten und stieß dabei auf die starke Kritik französischer Politiker und der Gesundheitsministerin Agnès Buzyn.
Der Sport ist emanzipiert. Er unterwirft sich nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen“, kommentierte Aurore Bergé von der Regierungspartei La République en Marche auf Twitter.
"Frauen sollten zusammenhalten anstatt sich einander die Emanzipation abzusprechen. Wenn Emanzipation einserseits gefordert aber andererseits nicht gewährt wird, ist das heuchlerisch" hält Yasemin Bay dagegen.
Manchen der anwesenden HijabRun-Teilnehmerinnen wurde schonmal das Trainieren in Fitnessstudios nicht gestattet, mit der Begründung, dass das Tragen eines Hijab während dem Sport ein Verletzungsrisiko berge. "Aber ein Sporthijab ist nicht gefährlicher als Haare die zu einem Zopf gebunden sind, vielleicht sogar sicherer." beschreibt Bay ihre Erfahrungen.
Auch dreimalige Berliner Boxmeisterin Zeina Nassar, hat es nicht leicht, sie sagt "Andere können sich einfach auf den Sport konzentrieren, ich muss nebenher immer noch für meine Rechte kämpfen. Das ist unfair." Sie hatte beim Deutschen Boxsport-Verband die Änderung der Wettkampfbestimmungen erzwungen, denn Zeina ist Muslimin und trägt im Ring Kopftuch.
Bay will ein zeichen setzen: "Wir Hijabis lassen uns von solch einer Diskriminierung nicht unterkriegen, wir treffen uns jetzt erst recht zum Sport mit unserem Hijab. Uns gibt es Tausendfach, man kann uns nicht wegboykottieren und ja, - wir haben einen bestimmten Anspruch an unsere Kleidung. Sportkleidungsherrsteller sollen sehen, dass es einen Bedarf gibt, auch sie sollen sich einer offensichtlichen Diskriminierung nicht beugen."
Die junge Sportlerin will ihren "Schwestern das Laufen schmackhaft machen" und lädt diese dazu ein, ihre Gesundheit zu fördern und Spaß an der Bewegung in der Natur zu haben. Die HijabRunners treffen sich einmal im Monat und rennen für ihr Recht, auch mit Kopftuch Sport machen zu dürfen, sowohl hobbymäßig als auch professionell. Am 14. April ist der nächste HijabRun. Geplant ist auch ein Bundesweiter HijabRun der gleichzeitig in Großsstädten wie Berlin, Köln, Frankfurt und München stattfinden wird. 
Näheres auf Instagram @hijab_run_runners
Kübra Kücük