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12.3.13

Jugendliche mischen den Landtag von Baden-Württemberg auf



Vergangenen Samstag öffnete der Stuttgarter Landtag erneut seine Tore für knapp 150 Jugendliche aus ganz Baden-Württemberg. An 10 Tischen mit Themen wie; ehrenamtliches Engagement, Schulwesen, gesellschaftliches Zusammenleben, Umweltschutz und Verkehr konnten die Jugendlichen eigene Themen herausbilden und diese anschließend in kleineren Arbeitsgruppen mit Abgeordneten des Landtages diskutieren. Mitveranstalter des Jugendlandtags 2013 waren die Landeszentrale für politische Bildung, der Ring politischer Jugend und der Landesjugendring. Musikalisch eingestimmt wurde der Tag durch die Stuttgarter Band „Zeitlos“.

 „Die Beziehung zwischen den Politikern einerseits und der Jugend andererseits, dieses Verhältnis isch bisweilen ja so´n bisschen gestört, da hat ma´ den Eindruck, man muss vielleicht besser ins Gespräch kommen“  umschrieb der Landtagspräsident Guido Wolf die Ausgangssituation und ermunterte die Teilnehmer am Jugendlandtag, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und unbequeme Fragen zu stellen. „So viel Zukunft auf einmal erleben wir selten im Landtag von Baden-Württemberg“, stellte Wolf in seiner Eröffnungsrede fest. Diese Gelegenheit nutzten die Abgeordneten, um zu erfahren welche politischen Schwerpunkte Jugendliche setzen.

 „Führerschein und Wahlen ab sechzen!“, war eine breite Forderung. Aber auch das dreigliedrige Schulsystem, der Umgang mit extremen Parteien, Elektromobilität und die „Reichensteuer“ wurden diskutiert. Ehrenämtler forderten eine stärkere Würdigung ihrer Leistungen und Arnulf Freiherr von Eyb (CDU) ist sich bewusst "Wenn alle Menschen, die ein Ehrenamt inne haben sich vierzehn Tage dem Ehrenamt verweigern, haben wir eine andere Republik! Wir bräuchten kein Tsunami und kein Erdbeben... Ehrenamt ist extrem wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft."
Aus diesem Konsens ergab sich in einem Workshop die Idee eine Art Ehrenamts-Orden einzuführen - auch als Erkennungszeichen für Ehrenämtler untereinander.



Lothar Frick von der Landeszentrale für politische Bildung ist der Ansicht, dass politische Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen auseinander driften, deshalb sei es für die LpB wichtig, Dialoge mit zu organisieren, zum Beispiel zwischen Repräsentanten der Politik und jungen Leuten.

Dem 17-jährigen Philipp Weinmann aus Reutlingen brachte dieser Dialog die Erkenntnis, dass ein Politiker einfach nicht überall sein könne, aber es von ihm erwartet würde. „Letztendlich ist er auch nur ein Mensch, der sich nicht teilen kann.“ In jedem Menschen stecke Politik, jeder mache Politik, indem er seine Meinung äußere oder versuche diese durchzusetzen, so der Gymnasiast. „Was wir allerdings in unserer Gesellschaft als Politik ansehen, sind nur die Leute die an der Spitze des Eisberges stehen, der größte Teil liegt unter Wasser, und ich sehe eben die Bürgerinitiativen, die vielleicht nicht so wahrgenommen werden aber den größten Teil davon ausmachen. Politik sind nicht nur die obersten Leute, sondern das ganze Volk.“

Die 20-jährige Jurastudentin und Vorsitzende vom Dachverband der Jugendgemeinderäte Dilnaz Alhan aus Böblingen betonte „Jugendliche sind nicht politikverdrossen! Heute habe ich erneut gesehen, dass sich Jugendliche in vielen verschiedenen Bereichen engagieren und hier sind, um etwas zu erreichen und nicht, um nur teilzunehmen, dass sie Ziele haben, Forderungen haben, Wünsche haben gegenüber Politikern oder auch Leuten, die sie hier nicht sehen, zum Bespiel Jugendliche die in anderen Beteiligungsformen aktiv sind “ Es sei schwer von unten etwas zu bewegen aber was anderes habe sie nicht machen können. „Ich musste von unten anfangen indem ich im Jugendgemeinderat war und Jugendinitiativen gegründet hab´, weil anders kann ich da nicht ´ran“, so Alhan

Diese und andere Forderungen und Herausforderungen diskutierten Abgeordnete und Jugendliche anschließend gemeinsam im großen Plenarsaal. „Die auf Plakaten festgehaltenen Impulse werden für einige Tage im Landtag ausgestellt, damit auch die nicht anwesenden Abgeordneten was davon haben“, versprach der Landtagspräsident zum Schluss und beendete die Veranstaltung mit folgenden Worten: „Ehrenamtliches Engagement ist cool, ihr seit cool!“

Der Jugendlandtag 2013 ist als Auftaktveranstaltung gedacht. Es sollen in den kommenden Monaten ab Herbst 2013 in allen Regionen des Landes 44 Regionalkonferenzen durchgeführt werden. 2015 soll dann wieder eine große Abschlussveranstaltung im Landtag von Baden-Württemberg stattfinden.

Kübra Kücük
10. März 2013 

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